Die Steillagen-Helden Württembergs

Drei Weine, sechs «Berge» und ein gemeinsames Werk: Das Weinbergwerk führt eine überragende Weinqualität und die Liebe zu einer einzigartigen Kulturlandschaft zusammen. Vier Genossenschaften, die zusammen etwa 85 % des Steillagenweinbaus in Württemberg bewältigen, wollen nicht länger nur reden sondern Meilensteine legen.

Mehr als nur historische Lagen

Es sind Namen, mit denen nahezu jeder etwas verbindet. Vielleicht ausgiebige Sonntags-Wanderungen oder eine verträumte Zugfahrt mit Blick auf die steilen Terrassen, vielleicht aber auch die mühsame und teilweise nicht ungefährliche Arbeit in den steinigen Hängen. Der Lauffener Katzenbeißer, Mundelsheimer Käsberg, Besigheimer Wurmberg und Felsengarten, der Esslinger Schenkenberg und die Roßwager Halde sind mehr als nur historische Lagen und sicherlich mit die schönsten in Württemberg – oder gar darüber hinaus.

Steillagen positiv oder problematisch?

Von nahem erkennt man das romantische Kleinleben zwischen den Zeilen und Mauern, aus weiter Entfernung wirken die Reben in den steilen Hängen geradezu mächtig an diesen Orten, die in den Köpfen der Menschen mit so viel Positivem verknüpft ist. Und doch werden diese terrassierten Steillagen oft als Problem dargestellt.

Gründung des „Weinbergwerks“

Als 2012 am Rande eines Steillagentages viel geklagt wurde über die mühsame Arbeit in den Steillagen, war klar: Hier muss etwas passieren – und zwar gemeinsam. Da waren sich Christian Kaiser, Geschäftsführer der Lembergerland Kellerei, Sebastian Häußer, Kellermeister in der Felsengartenkellerei und Michael Böhm, der für den Keller bei den Lauffener Weingärtnern verantwortlich ist, einig. Unter dem Schlagwort «Weinbergwerk», der das Zusammenspiel des Weinbergs und des Bergwerks hervorhebt, wurden erste Ideen gesammelt und bereits Weine im Fass für das Projekt auf die Seite gelegt. Mit Ramona Fischer, Powerfrau der Esslinger Weingärtner, konnte eine weitere Verfechterin der Steillagen gewonnen werden.

Motivation zwei Dinge zu vermitteln

Gemeinsam haben sie die Motivation, zwei wesentliche Dinge zu vermitteln: Dass Weine aus Steillagen hochwertige Premiumweine sein können und dass man mit Weinen dieser Art auch einen Preis erzielen kann, der vom Kunde gewürdigt wird und die Steillage für den Weingärtner finanziell tragbar macht. Das Weinbergwerk ist damit eine Botschaft nach Außen, aber auch nach Innen.

Am Ende stehen drei Werke: Jahrwerk, Meisterwerk, Lebenswerk

2015 wurden die ersten Weine im Steinbruch in Roßwag, allesamt Premiumprodukte aus den Filetstücken der oben privilegierten Lagen, präsentiert. Allerbestes Lesegut mit den natürlichen Vorzügen der Steillagenreife, von Hand gelesen (da auch schlichtweg keine andere Möglichkeit besteht), auf der Maische vergoren und letztlich von den Köpfen des Weinbergwerks kombiniert. Am Ende stehen drei Werke: Das Jahrwerk, mit Lemberger als Hauptrolle und im großen Holzfass gereift, das Meisterwerk, dem gemeinsam mit anderen Rebsorten der Cabernet Cubin sowie die Reife im Barriquefass die Prägung verleiht und letztlich das Lebenswerk, welches mit 36 Monaten Reife im Barriquefass das Non-Plus-Ultra dieser Linie darstellt und ohne Kompromisse auch nur in den geeignetsten Jahren zu Stande kommt (zuletzt 2012 und 2015). Alle drei Weine bilden eine Cuvée von unterschiedlichen Menschen, Lagen und Rebsorten und verbinden damit alles, für was das Weinbergwerk steht.

Lebensfreude der terrassierten Lagen steht im Mittelpunkt

Man könnte es also als ein Leuchtturm-Projekt bezeichnen. Es soll die Lebensfreude, die man mit den terrassierten Lagen verbindet, in den Mittelpunkt stellen und weit ausstrahlen. Man will zeigen: «So etwas ist möglich, das bieten uns die teilweise bis zu sechzig Jahre alten Anlagen» meint Christian Kaiser. Vielleicht revolutioniert man damit nicht von heute auf morgen das Denken, jedoch fördert man das Image und macht einen vorbildlichen Anfang. Denn eines ist den Weinbergwerklern klar «Damit es auf längere Sicht funktioniert, macht die terrassierte Steillage nur über eine Premiumproduktion Sinn».

 

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