Steillage pur: Das ist das Weinbergwerk!

Einige von Euch werden es noch gar nicht mitbekommen haben, aber unter unseren Württemberger Weingärtnergenossenschaften gibt es mit der Weinbergwerk eG eine, die sich auf Weine aus der Steillage spezialisiert hat. Ein Gespräch mit der Vorstandsvorsitzenden Ramona Fischer.

Die Weinbergwerk eG wurde 2015 von mehreren bereits existierenden unserer Weingärtnergenossenschaften gegründet, und zwar von den Lauffener Weingärtnern, der Felsengartenkellerei Besigheim und der Lembergerland Kellerei Rosswag. Später kamen noch die Weingärtner Esslingen dazu. Zusammen stehen diese vier Genossenschaften für rund 85 Prozent des Württemberger Steillagenweinbaus.

Wir sprechen heute mit Ramona Fischer, seit kurzem neue Vorstandsvorsitzende des Weinbergwerks.

Ramona Fischer, Vorstandsvorsitzende des Weinbergwerks

Frau Fischer, was ist der Gedanke hinter dem Weinbergwerk?

Der gemeinsame Nenner ist die mit Trockenmauern terrassierte Steillage – und unsere gemeinsamen Weine daraus. Wir möchten gerne Württembergs Steillagen auch außerhalb Württembergs bekannter machen. Viele wissen ja noch gar nicht, dass es auch bei uns Steillagen mit dieser Art Terrassierung gibt und denken beim Stichwort Steillage beispielsweise an die Mosel. Unser Ziel ist es deshalb, die Weine des Weinbergwerks nördlich der Mainlinie zu verkaufen. Und das für angemessenes Geld, denn eine Steillage zu bewirtschaften kostet. Handarbeit statt Maschinen, erschwerter Pflanzenschutz und so weiter. Wenn wir unsere Weingärtner motivieren wollen, diesen Mehraufwand zu tätigen, muss es sich auch rechnen. Ganz nebenbei erhalten sie mit ihrer Arbeit schließlich auch eine wertvolle Kulturlandschaft.

Also: Wir wollen unsere tollen Produkte bekannt machen, verkaufen und die Erlöse an die Wengerter weitergeben, sodass die Steillagen erhalten bleiben.

Welche Weine erzeugt das Weinbergwerk und was sind deren Besonderheiten?

Wir haben drei Weine im Programm: Zum einen das „Jahrwerk“ aus dem Holzfass. Ihn gibt es in jedem Jahrgang. Dann das „Meisterwerk“ aus dem Barrique und das „Lebenswerk“, ebenfalls aus dem Barrique. Letzteren vinifizieren wir nur in besonderen Jahrgängen.

Allen dreien ist gemeinsam, dass sich unsere Kellermeister mit ihren jeweils besten Steillagenweinen zum Cuvetieren treffen und dann so lange feilen, bis der perfekte Weinbergwerk-Wein erstellt ist.

Ist eine Erweiterung des Sortiments geplant?

Darüber sprechen wir derzeit. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach, Regalfläche in den Märkten zu bekommen, wenn man nur drei Weine anbieten kann. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass wir unsere Linie um einen weiteren Wein erweitern.

Wo liegt die Hauptproblematik der Steillage und des Weinbaus in dieser?

Es gibt ja Untersuchungen, dass ein dreifacher Aufwand gegenüber einer Direktzuglage zu tätigen ist. Mit der Hacke am Arm statt auf dem Schlepper. Und genau dieser deutlich größere Arbeitsaufwand wird jetzt auch noch flankiert von einem höheren Mindestlohn. Da rechnet sich die Arbeit in der Steillage kaum noch. Außer, wir bekommen vermittelt, dass guter Wein eben auch gutes Geld kostet.

Was gibt die Steillage einem dafür zurück?

Einiges! Man darf die klimatischen Vorteile der Steillage nicht unterschätzen. Gerade in Jahren mit recht wenig Sonnenschein und viel Regen – so wie im gerade abgelaufenen – kommt der Wein in der Steillage eben doch zu genügend Sonne und Wärme. Und: Die Steillage bietet die Chance, südländische Sorten, die in der Direktzuglage nicht genügend Wärme bekommen würden, auch bei uns anzupflanzen und ihnen damit auch hier ein Zuhause zu geben. Hierzu gibt es im Rahmen des Projektes „Steile Weine“ ja entsprechende, erfolgsversprechende Versuche. Und wir sind mit den Genossenschaften, die an diesem Projekt teilnehmen, auch bereits im Gespräch. Die Ergebnisse von deren Marktforschung geben auch uns sehr wertvolle Hinweise.

Beim Stichwort Steillage denken viele sofort an Trollinger. Wird das so bleiben?

Große Teile unserer Steillagen sind mit Trollinger bestockt und der wird auch nicht komplett verschwinden. Auch im Jahrwerk ist ein wenig Trollinger drin. Aber: Mehr und mehr werden die erwähnten internationalen Sorten in die Steillagen einziehen. Die bringen auch, so ehrlich muss man sein, am Markt mehr Geld ein als der Trollinger.

Ist die typische Handschrift der am Weinbergwerk beteiligten Genossenschaften auch in den Weinen wiederzufinden?

Eher nicht. Und zwar deshalb nicht, weil wir von Anfang an gesagt haben, dass wir für die Weine des Weinbergwerks einen ganz eigenen Stil prägen wollen. Klar bringen unsere Kellermeister zu den Cuvetierungen ihre Weine mit, aber dann versuchen wir eben den ganz eigenen Weinbergwerk-Stil herauszukitzeln. Das Weinbergwerk steht für sich allein.

Was ist ihnen als Vorstand besonders wichtig? Was soll Ihr persönlicher Fußabdruck werden?

Mein Ziel ist es, den Vertrieb vorwärts zu bringen. Und überregional bekannt zu machen, dass aus Württembergs Genossenschaften tolle Rotweine aus terrassierten Steillagen kommen.

Und zum Schluss das Wichtigste: Wo können unsere Leser die Weine des Weinbergwerks probieren?

Das geht in den Verkaufsstellen aller am Weinbergwerk beteiligten Genossenschaften – konkret den Lauffener Weingärtnern, der Felsengartenkellerei Besigheim, der Lembergerland Kellerei Rosswag und natürlich bei uns, den Weingärtnern Esslingen.

Titelbild: Rosswager Halde in Rosswag/Vaihingen an der Enz, Foto: Daniel Schneider.

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