Neue Rebsorten in Württemberg

Spricht man von Württemberg, denken viele beim Stichwort Wein zuerst an Trollinger und Lemberger. Doch damit wird die Weinheimat unterschätzt. Denn neben der traditionell großen  Sortenvielfalt werden seit einigen Jahren auch ehemals exotisch anmutende Rebsorten bei uns angebaut. Die Felsengartenkellerei Besigheim zeigt hier besonderen Eifer und auch Erfolg. Deshalb haben wir uns mit dem Vorstandsvorsitzenden, Dr. Götz Reustle, unterhalten.

Dr. Götz Reustle von der Felsengartenkellerei Besigheim

Dr. Götz Reustle – Experte auch für exotische Rebsorten.

Herr Dr. Reustle, welche internationalen Rebsorten reifen denn auch bei uns? Und welche sind die interessantesten?

Dr. Reustle: Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot gehören schon fast zum Standardsortiment in Württemberg. In den besten Lagen reifen mittlerweile sogar Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Shiraz.

Wie kommt es, dass diese südländischen Rebsorten auch bei uns reifen?

Dr. Reustle: Der Klimawandel hat den Sortenwandel erst ermöglicht. Besonders in den terrassierten Steillagen entlang der Flüsse Neckar und Enz finden wir durch höhere durchschnittliche Jahrestemperaturen, Hangneigung, Sonnenexposition und durch die Nähe zu den Flüssen ein Mikroklima, welches auch südländische Sorten zu höchsten Qualitäten reifen lässt. Selbstverständlich müssen die klimatischen Voraussetzungen durch geeignete weinbauliche Maßnahmen, wie strenge Mengenkontrolle, begleitet werden.

In den Steillagen bei Besigheim und Hessigheim kann man auch wunderschön spazierengehen.

Beim Spaziergang durch die Reben trifft man auch auf verschiedenste Rebsorten.

 

Welchen Flächenumfang haben die neuen Rebsorten bei Ihnen absolut und wie hoch ist der Flaschen-Absatz?

Dr. Reustle: Der Flächenanteil der neuen Rebsorten in der Felsengartenkellerei Besigheim ist derzeit noch gering und liegt insgesamt bei ca. 9 ha, allerding mit steigender Tendenz. Wir achten dabei sehr darauf, dass diese Sorten nur in geeignete Weinbergslagen gepflanzt werden. Dies sind in der Regel die terrassierten Steillagen. Die neuen Rebsorten sind meist Bestandteil unserer Premium-Linien. Sie werden sortenrein oder als Cuvée ausgebaut, der Absatz liegt derzeit bei ca. 18.000 Flaschen / Jahr.

Braucht es spezielles Know-How für den An- und Ausbau dieser neuen Sorten und wenn ja: Woher nehmen Ihre Weingärtner und Kellermeister dieses?

Dr. Reustle: Sowohl im Weinberg als auch im Keller muss man lernen, mit den neue Rebsorten umzugehen. Diese Herausforderung nehmen die Mitglieder und Wengerter der Felsengartenkellerei, ebenso wie unser sehr gut ausgebildetes Personal im Keller, gerne an.

Ein Weingärtner läuft Weinbergstäffele runter

Weinlese bei der Felsengartenkellerei, das heißt auch Stäffele rauf und runter

 

Mal aus Anbausicht: Welche Ansprüche haben die neuen Rebsorten? Sind sie eine gute Ergänzung zu unseren Rebsorten? 

Dr. Reustle: Auf den skelettreichen Muschelkalkböden unserer terrassierten Steillagen fühlen sich nicht nur wärmeliebende Pflanzen und die Mauereidechse, sondern auch die südländischen Sorten sehr wohl. Gleichzeitig entwickeln diese in dem besonderen Terrior ihren ganz eigenen und für unsere Region typischen Charakter.

Kann und soll man auf jede Sorte gehen, die es weltweit gibt oder verzichtet man lieber auf die eine oder andere? 

Dr. Reustle: Altes bewahren und Neues wagen. Damit lassen sich unsere Aktivität am besten beschreiben. Mit dem Trollinger und Lemberger haben wir in Württemberg Sorten mit Alleinstellungsmerkmal, welche es zu erhalten und an die Anforderungen des Marktes anzupassen gilt. Gleichzeitig geben uns die klimatischen Veränderungen die Chance, mit neuen Rebsorten zu experimentieren und diese für die Kunden der Felsengartenkellerei zu vinifizieren.

Steillagen

Schwer zu bewirtschaften, aber ein herrlicher Anblick: Die Steillagen.

Mehr Informationen zur Felsengartenkellerei Besigheim findet Ihr auf deren Webseite.

Immer aktuell informiert über die Württemberger Weingärtnergenossenschaften im Wein Heimat Blog.

2 Antworten zu “Neue Rebsorten in Württemberg”

  1. Franz K. Matyas sagt:

    Halte es nicht für zielführend in solchen Steillagen internationale Rebsorten anzupflanzen. Hier habe ich wieder kein Alleinstellungsmerkmal und konkurriere mit viel größeren Playern.
    Vor allem brauchen solche Lagen Reben die pilzwiderstandsfähig sind und sehr wenig bis gar keinen Pflanzenschutz benötigen. Hier kann ich die Kosten senken und dem Kunden einen naturnah erzeugten Wein anbieten.

  2. Dr. Götz M. Reustle sagt:

    Es ist naheliegend, in den terrassierten Steillagen pilzwiderstandsfähige Rebsorten anzubauen. Solche Sorten sind auch Bestandteil unserer Sortenversuche. Allerdings sind die bisher zur Verfügung stehenden Sorten meist zu früh reifend und damit nur bedingt für die klimatischen Bedingungen in den Steillagen geeignet. Hinzu kommt, dass der Krankheitsdruck (Echter und Falscher Mehltau sowie Botrytis) entlang der Flüsse erheblich ist und die Widerstandsfähigkeit der bisher geprüften PiWi’s nicht ausreicht. D.h. Pflanzenschutz ist trotzdem notwendig, im besten Fall mit 2 bis 3 Spritzungen weniger als üblich.
    Unabhängig davon ob PiWi’s oder international bekannte Rebsorten in den Steillagen Angebaut werden, entscheidend wir sein, dass die Qualität stimmt. Vermarktet werden die Weine vermtl. als Cuvée. Das Alleinstellungsmerkmal wird dann nicht die Sorten sondern das Thema ‚Württemberger terrassierte Steillagen‘ sein.

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