25 Jahre Biowein

Dieses Wochenende (Samstag, 22. September) feiern die Weingärtner Stromberg-Zabergäu ein echt ökologisches Jubiläum: Seit 25 Jahren produzieren die Wengerter neben den „normalen“ Tropfen auch hervorragende Bioweine (die Informationen zum Jubiläumsevent findet ihr im Infokasten). Doch was hat es mit „Biowein“ überhaupt auf sich? Wir haben den Kellermeister Thomas Eberbach gefragt.

Dinos, Ärzte und Biowein

Wir schreiben das Jahr 1993. Dinosaurier in Jurassic Park terrorisieren die Leinwände, die Band Die Ärzte feiert nach 5 Jahren Pause ihr Revival und bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu beschließen drei Winzer, ihren kompletten Weinbau umzukrempeln: nachhaltig, ökologisch und naturbelassen – so wollten sie ihre Trauben anbauen. Und das, obwohl der Bio-Trend damals in Deutschland gerade erst Fuß gefasst hat. „Da war auch einfach eine Sehnsucht nach der Herausforderung da: ‚Wein anbauen ohne Chemie – geht das überhaupt?‘“ sagt Kellermeister Thomas Eberbach.

Problemfall Pilzbefall

Die Produktion komplett auf bio umzustellen war keine leichte Aufgabe. „Wir mussten damals erst viel Erfahrung sammeln“, so Eberbach. Ein besonderes Problem gerade in den nördlichen Weinländern wie Deutschland: Pilzkrankheiten wie Mehltau etwa lassen sich ohne chemische Spritzmittel nicht leicht behandeln. Darum ist es wichtig, die Pflanzen vor einer möglichen Infektion sauber zu pflegen. „Wir setzen darauf, die Reben zu stärken, damit sie widerstandsfähiger sind,“ erklärt Eberbach. Neben biologischen „Hausmitteln“ kann man hier auch mit dem richtigen Beschnitt der Pflanzen und einer weniger engen Anordnung der Weinstöcke vorbeugen.

Bild von Weintrauben der Weingärtner Stromberg-Zabergäu.

Die Trauben brauchen Luft zum Atmen. Bild: Carsten Götze.

Eine ganz andere Strategie gegen die unnachgiebigen Pilze ist die natürliche Züchtung pilzresistenter Weinsorten. Hierfür werden sogenannte „Europäerreben“, die bei der Weinherstellung wegen ihres guten Geschmacks zum Einsatz kommen, mit „Amerikanerreben“ gekreuzt, die sich gegenüber vielen Krankheiten bedeutend resistenter zeigen als ihre europäischen Artgenossen.

Dabei muss man allerdings sehr penibel vorgehen. Denn der Wein der Amerikanerreben schmeckt dem Weinkenner oft nicht wegen seines leichten Foxtons. Durch geschickte Zucht und Selektion lässt sich der Vorteil der Resistenz ohne den Nachteil des Geschmacks in die Europäerreben hineinkreuzen. „Die neuen pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWI) schmecken so intensiv und aromatisch wie reine Europäerreben,“ erklärt Eberbach. „(lacht) ‚Gewusst wie‘ sage ich da nur!“

Mist schlägt Chemie

Das ist aber nicht das einzige, was ein Bioweinbauer alles neu denken muss. Statt Mineraldünger setzt man für den Biowein in Stromberg-Zabergäu zum Beispiel ganz klassisch auf Mist oder pflanzt stickstoffreiche Pflanzen wie Leguminosen (Hülsenfrüchte) zwischen die Weinstöcke. Diese Pflanzen werden dann ins Erdreich untergepflügt und reichern es mit Nährstoffen für die Reben an.

Auch die etablierten Lesezeitpunkte muss man bei Bioweinen hinterfragen. Eberbach erklärt: „Dadurch, dass wir die Pflanzen stärken, um sie vor Pilzbefall zu schützen, verzögert sich auch der Lesezeitpunkt.“ Da muss ein eigener Leseplan für die ökologischen Trauben her. „Sonst hat der Wein nachher nicht die Frucht und Fülle, die wir an unseren Tropfen so schätzen.“

Der Aufwand lohnt sich!

Schließlich wollen wir noch die wohl wichtigste Frage für den Weintrinker zu Hause stellen: Schmeckt der Biowein denn auch? „Also mir schon!“, antwortet Eberbach mit einem Lächeln. „Die roten Sorten dürfen bei uns eine langsame Maischengärung und – für uns selbstverständlich – den Ausbau im Holzfass genießen. Und unsere Weißweine sind besonders weich und cremig im Geschmack, weil wir auf eine lange Hefelagerzeit setzen.“

Und das lohnt sich für die Weingärtner! Gleich drei ihrer Bioweine haben mit 90 Punkten und mehr die Goldmedaille beim 9. internationalen bioweinpreis gewonnen.

Bild von den drei Biowein-Siegern: der Riesling trocken, der Cabernet blanc trocken und der Regent trocken

So sehen Sieger aus!

Bei den drei Siegerweinen hat Thomas Eberbach einen ganz klaren persönlichen Liebling: den Cabernet Blanc 2017. Und wie schmeckt der? „(lacht) Mir zumindest besonders gut!“ Etwas ernster erklärt er: „Aber um etwas ins Detail zu gehen: In der Nase spielen Noten von grüner Paprika und Südfrüchten wie Maracuja die erste Geige. Und auf der Zunge zeigt er sich füllig und cremig mit einer weichen Säure. Der Abgang ist lang und erfreulich intensiv.“

Ob der Kellermeister am Samstag bei der Jubiläumsfeier mit dabei sein kann, um diesen und die anderen leckeren Weine zu verkosten, weiß er noch nicht: „Ich würde natürlich gerne! Aber im Moment ist ja Lesezeit…“ Die Bio-Trauben wollen eben umsorgt werden – alles andere wäre ja gegen die Berufsehre.

 

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