Die besten Weine (nicht nur) für festliche Stunden

Die schönste Zeit des Jahres steht mehr oder weniger direkt vor der Tür. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen – höchste Zeit, die Weinvorräte im Haus zu überprüfen und gegebenenfalls aufzustocken. Schliesslich möchte man doch über die Adventszeit, die Weihnachtstage, zwischen den Jahren und an Silvester keine kulinarische Not leiden. Die Württemberger Genossenschaften warten mit einem breiten Angebot an festlichen Weinen, vornehmen Schaumweinen und edlen Bränden auf. Wir haben aus allen Kategorien die bemerkenswertesten Tropfen herausgesucht und verkostet. Um es kurz zu machen: Es war uns ein Fest!

Text: Harald Scholl, Fotos: Armin Faber

Dankeschön an… Hotel Gasthof Hasen Hasenplatz 6 71083 Herrenberg www.hasen.de

Für nicht wenige Weinliebhaber – und Genießer – beginnt nach der Zeitumstellung die interessanteste Zeit des Jahres. Die Tafeln sind in Herbst und Winter wieder reich gedeckt mit üppigen Speisen, gerade Richtung Jahresende wird die Zeit genutzt um intensiv zu schlemmen und die persönlichen Weinvorräte zu ergänzen. Die Weinlisten der Winzer und Weingärtnergenossenschaften flattern ins Haus, viel Zeit wird mit dem Studium verbracht. Um die Entscheidung zu erleichtern und die Vorfreude zu steigern, haben wir uns mit drei klassischen Getränketypen befasst.

Ulrike Palmer (Journalistin Food & Beverage), Arnold Nölly (Sommelier Hotel Gasthof HASEN), Harald Scholl (stv. Chefredakteur VINUM Weinmagazin)

Kulinarischer Dreisprung zum Fest: Vorspeise…

Was wäre Sylvester ohne ein spritziges Kaltgetränk! Ob es ein feinperliger Secco oder ein kraftvoller Sekt sein soll, bleibt dabei dem persönlichen Geschmack überlassen. Aber eigentlich ist es doch ein wenig schade, dass es für viele Genießer bei diesem einen Anlass im Jahr bleibt. Denn guter Sekt kann so sehr viel mehr, als nur das neue Jahr einzuläuten. Gerade zur Einstimmung auf die Bescherung am Heiligen Abend ist Sekt perfekt geeignet, auch als Begleitung zum Brunch am nächsten Weihnachtsmorgen ist etwa ein Secco, eine gute Alternative zum Stillwein. Überhaupt kann Sekt zu feinen Vorspeisen, vor allem solchen, bei denen Fisch und Meeresfrüchte die Hauptrolle spielen, eine interessante Alternative sein. Besonders passend und vielfältig einsetzbar sind hier Sekte mit ausgeprägtem Hefelager. Ihre kraftvolle und vollmundige Art begleitet auch Pasteten oder Vorspeisen mit Geflügel aufs Allerbeste. Sie zeigen sich dabei erstaunlich vielseitig und können, mit Ausnahme von süßen Desserts, grundsätzlich jedes Gericht harmonisch begleiten. Häufig ist einfach nur ein wenig Mut gefragt. Die Frische des Sekt, hervorgerufen vor allem durch die enthaltene Kohlensäure, lässt festtägliche Völlegefühle gar nicht erst auftauchen.

Ulrike Palmer (Journalistin Food & Beverage)

…Hauptgericht…

Der Duft, der von einem aromatischen Braten, sei es Rehrücken, Gans oder Pute, aus dem Backofen an einem Weihnachtsfeiertag entströmen kann, macht das schönste Fest des Jahres für viele Genießer erst so richtig perfekt. Die Wahl des passenden Rotweines ist dabei von entscheidender Bedeutung. Aber: Nicht jeder Rotwein passt zu jedem Braten. Viele Weinfreunde graben zu diesem Anlass immer ganz besonders tief im Weinregal, einfach um das Beste vom Besten hervorzuholen. Dabei ist häufig ein weniger feiner, vielleicht etwas rustikaler Rotwein, häufig die bessere Wahl. Zum recht fetten Gänsebraten oder auch zur Entenbrust, ist ein Wein von eher frischer Herzhaftigkeit eigentlich passender. Ideal wären ein saftiger Spätburgunder oder ein markanter Zweigelt. Wildgerichten steht dagegen ein dunkelfruchtiger Lemberger besonders gut zu Gesicht, er darf auch gerne etwas kräftiger oder holzbetont ausfallen. Und die immer beliebter werdenden Cuvées sind gefragt wenn Kurzgebratenes, ganz gleich ob vom Rind oder Hirsch, auf den Teller kommt. Für alle diese Weine gilt aber eines gemeinsam: Sie sollten nicht ganz bei Zimmertemperatur serviert werden, die weihnachtlichen 21 Grad im Wohnzimmer sind definitiv zu viel. Idealerweise werden Rotweine bei rund 16 °C bis 17 °C serviert. Also zögern sie nicht, die Flasche kurz auf dem Balkon etwas abkühlen zu lassen. Der Trinkspaß wird sich enorm vergrößern.

… und Dessert!

Was wäre Weihnachten – und die Zeit danach, denn wer schafft schon alle Plätzchen bis zum Ende des Jahres zu vertilgen – ohne die gut gefüllte Plätzchendose. Vor allem im englischen Sprachraum gehört die Kombination mit einem feinen Süßwein zum Gebäck, zu den kulinarischen Traditionen. Leider sind solche Süßweine nicht sehr populär bei uns. Aber versuchen sie es doch einfach mal. Vor dem Servieren in eine schöne Karaffe umgegossen und aus den kleinen, tulpenförmigen Gläsern der Großmutter genossen, dazu die Weihnachtsplätzchen oder den Christstollen aus dem Fundus – das ist schon von besonderem Reiz. Wer diesem etwas üppigem Genuss nichts abgewinnen kann, hat vielleicht mehr Freude an einem magenaufräumenden Digestiv. Denn auch ein Brand aus Trester oder Wein, vielleicht begleitet von einer guten Zigarre, hat seine unbestreitbaren Reize. Ganz gleich welche Variante sie zum festlichen Anlass wählen, fündig werden sie in unserer Verkostungsliste allemal. Es sollte sich für jeden kulinarischen Geschmack etwas finden.

Genussprofis an den Gläsern

Das Verkostungsteam zum Thema «Festtagsweine» setzte sich aus kulinarik-affinen Fachleuten zusammen. Die Verkostung wurde «blind» durchgeführt, alle Etiketten, Kapseln und Banderolen unkenntlich gemacht, bzw. entfernt. Die Weine, bzw. Destillate, wurden nach Rebsorten und Typen (Schaumweine – Rotweine – Digestive) getrennt verkostet. Eine Ordnung oder Reihenfolge nach Region oder Preis gab es nicht. Die Verkoster probierten unabhängig, still und im eigenen Tempo.

Im Panel dabei waren

Ulrike Palmer, Journalistin für Food & Beverage Themen, ist Autorin der TV-Serien «Isswas?!» und «richtig!gut» und betreibt das Blog «Tellerschubser»
Arnold Nölly ist staatlich geprüfter Sommelier und leitet nach Stationen in der Sternegastronomie den elterlichen Hotel Gasthof «HASEN» in Herrenberg
Harald Scholl ist als stellvertretender Chefredakteur für das VINUM Weinmagazin tätig und Gebietsverantwortlicher im VINUM Weinguide.

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