Der erste Wein Württembergs

Die Geschichte des Weinbaus in Württemberg – und damit der erste Wein Württembergs – reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. Wie weit, das sehen wir uns heute einmal zusammen an.

Heute viertgrößtes deutsches Anbaugebiet, war Württemberg im Mittelalter neben Franken sogar die größte Weinregion Deutschlands. Viermal mehr Rebfläche als heute stand damals zur Verfügung. Dazu kommen wir später im Beitrag, jetzt geht es erst einmal ganz weit zurück in die Historie.

Der Überlieferung nach sollen schon um 3.000 vor Christus die Kelten im schwäbischen Raum Wein aus Wildreben erzeugt haben. Als gesichert gilt, dass vor knapp 2.000 Jahren (im 2. Jahrhundert n.Chr.) die Römer den Weinbau in den deutschsprachigen Raum eingeführt haben. Klar, war es doch wesentlich einfacher und langfristig gesehen günstiger, nicht den Wein selbst über die Alpen zu transportieren, sondern die Reben.

Der erste schriftliche Nachweis über Weinanbau in Württemberg stammt aus einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch – im Jahr 766. Überhaupt kann die Rolle der Klöster für den Weinbau in ganz Deutschland gar nicht hoch genug gewertet werden – mit deren verstärkter Gründung ab dem 12. Jahrhundert verbreitete sich auch der Weinbau immer stärker.

Damit wäre zwar die Frage aus der Überschrift beantwortet – aber auch in der Folge passierte noch so manches, das wir gerne einmal würdigen wollen.

König Wilhelm I. mit bahnbrechendem Einfluss auf den Württemberger Wein

Kommen wir zum Beispiel noch einmal auf die oben erwähnte Zeit  – wir sprechen vom 16. und Anfang des 17. Jahrhundert – zurück, als Württemberg rund 45.000 Hektar Rebfläche hatte – rund viermal soviel wie heute. Wir hatten so viel Wein – wir konnten ihn sogar exportieren. Und dank der sogenannten „Herbstordnung“, die Herzog Friedrich I. 1607 erlassen hatte, gab es auch klare Regeln bezüglich der Lesezeiten der Trauben, der Ausrüstung von Keltern und ein erstes Berufsbild des Keltermeisters. Erst der dreißigjährige Krieg (1618-1648) setzte hier ein Ende. Fast noch schlimmer: Im Anschluss galt bei den Weingärtnern „Quantität vor Qualität“ und aus heutiger Sicht äußerst minderwertiger Wein erzeugt.

Eine spürbare Wendung zum Guten hin nahm der Weinbau in Württemberg wieder ab Beginn des 19. Jahrhunderts. Hierfür zeichnet im Wesentlichen König Wilhelm I. von Württemberg verantwortlich. Er war es, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seinen eigenen Weinbergen und Kellereien intensive Studien und Forschungen anstellte. Unter anderem führte er nicht nur den Riesling aus dem Rheinland in Württemberg ein – um Schaumwein daraus herstellen zu lassen. Die Firma Kessler in Esslingen machte sich damit einen bis heute strahlenden Namen.

Hinzu kam auch die Gründung der „Gesellschaft für die Weinverbesserung in Württemberg“ im Saal Königsbad Stuttgart im Jahr 1825. Gegründet von 22 Männern (übrigens kein Wengerter dabei) kann man, wenn man möchte, ganz gewagt von einem Vorläufer der heutigen LVWO in Weinsberg sprechen. Diese Gesellschaft für Weinverbesserung in Württemberg wiederum propagierte den Qualitätsweinbau und verteilte höherwertige Reben, die zwar noch nicht großflächig zum Einsatz kamen (was der Bauer nicht kennt und sich nicht leisten kann…), die aber im Anschluss an die gleich noch zu schildernde Katastrophe die Rettung unseres Weinbaus beschleunigt haben. So richtig zum tragen kamen die Bemühungen Wilhelms I. aber erst weit nach seinem Tod – und zwar durch den Eintritt eines verheerenden Ereignisses.

Neustart zur Jahrhundertwende

Denn wenn man so will, gab es für den Weinbau in Württemberg eine zweite Stunde Null. Und zwar gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Da brachte die Reblaus den Weinbau nahezu zum Erliegen. Erst mit der Anpflanzung von Hybridreben – Ihr kennt sie auch unter dem Begriff Pfropfreben – konnte zur Jahrhundertwende der Neustart stattfinden. Hierfür wurden heimische Rebsorten auf resistenten amerikanischen Unterlagsreben gezüchtet. Durch gezielte Rebzüchtung entstanden so die heute im deutschen Weinbau bekannten Rebsorten.

In diese Zeit fallen auch die Gründungen der ersten Weingärtnergenossenschaften. Übrigens auch ein wenig aus der Not heraus. Denn: Württemberg hatte wesentlich länger als andere Teile des Deutschen Reichs an der sogenannten Realteilung im Erbrecht festgehalten. Das heißt: Wenn ein Landwirt vier Kinder hatte, konnte er nicht etwa hergehen und sein Land komplett dem ältesten Kind vererben und die anderen entschädigen. Nein, das Land wurde geviertelt und unter allen aufgeteilt. So entstanden immer kleinere Parzellen und ab einer gewissen (nicht mehr vorhandenen) Größe wird das eben unwirtschaftlich. Weil Weinerzeugung letztlich teurer Geräte bedarf, die erst ab einer gewissen Lesegröße beziehungsweise Menge an Trauben Sinn machen. Und so schlossen sich eben viele einzelne Weingärtner zu Weingärtnergenossenschaften zusammen.

Der älteste deutsche Zusammenschluss zu einer Erzeugergemeinschaft dieser Art ist übrigens die spätere Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm (heute Teil der Genossenschaftskellerei Heilbronn), die sich 1855 – allerdings als Verein – gründete und erst später zur Genossenschaft umfirmierte – weswegen die älteste Genossenschaft tatsächlich an der Ahr zuhause ist.

Weitere Modernisierungen nach dem zweiten Weltkrieg

Spätestens nach dem zweiten Weltkrieg war die Industrialisierung nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Menschen arbeiteten jetzt in der Industrie. Das bedeutete: Auch der Weinbau konnte nicht mehr weiterbetrieben werden wie bisher – alleine wegen der in größerer Anzahl frei werdenden Flächen. So kam es zu großflächigen Rebflurbereinigungen. Darunter versteht man – so definiert es Wikipedia – „Neueinteilung und Zusammenlegung von zersplittertem land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz zu größeren und damit effektiver nutzbaren Flächen“. Außerdem ließ die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft WZG eine neue Großkellerei errichten. Und hier wurden und werden die Trauben der verschiedenen, kleineren Weingärtnergenossenschaften gekeltert. Bis heute unterscheidet man bei unseren Weingärtnergenossenschaften die „Vollablieferer“, die ihre Trauben komplett zur Weinerzeugung an die WZG liefern, die Teilablieferer und diejenigen, die ihre Trauben komplett selbst zu Wein weiterverarbeiten.

In den vergangenen Jahrzehnten führte die zunehmende Konkurrenz am Weinmarkt außerdem dazu, dass qualitätsfördernde Maßnahmen eingeführt wurden. Hierzu zählen neben der Ertragsreduzierung Entwicklung und Anbau neuer Sorten – zum Beispiel der neuartigen Piwi-Sorten – und eine moderne Vermarktung, zu großen Teilen ebenfalls mithilfe der modernen Distributionskanäle der WZG.

Immer gut für einen Blick hinter die Kulissen des Württemberger Weins: Der Weinheimat Blog.

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Für weitere und tiefere Recherchen zum Thema empfehlen wir euch auch die Seite https://weingeschichte-n.tour-de-kultur.de/.

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