Teilnehmer des Trockenmauer Seminars 2018 der Weingärtner Esslingen

Workshop zu Trockenmauern in Esslingen

Einen spannenden Workshop haben die Weingärtner Esslingens im Angebot, und zwar geht es um Esslingens Trockenmauern. Also: Das Rückgrat der Steillagen. Die Esslinger Terrassenweinberge sind als Naherholungsgebiet von unschätzbarem Wert, dazu ein das Stadtbild prägendes Kulturdenkmal. Aber: Die sie bildenden Trockenmauern sind  dem Einfluss der Natur ausgesetzt. Sie müssen erhalten beziehungsweise dort, wo sie eingestürzt sind, wieder aufgebaut werden. Und: Nur auf diese Weise gelingt es, das historische Trockenmauerbau-Handwerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Otto Rapp, Wengerter mit Herzblut und erster Vorstand des Staffelsteiger-Vereins e.V. bietet deshalb einen Trockenmauer-Workshop an. Der Workshop findet am Samstag, 13. April 2019, ab 8.30 bis circa 16 Uhr statt. Treffpunkt ist die Kelter in Esslingen-Mettingen, der Kostenbeitrag liegt bei 45 € / Person. Natürlich ist für Ihr leibliches Wohl gesorgt. Otto Rapp wird den Teilnehmern im Kurs das Trockenmauerbau-Handwerk authentisch und sympathisch näher bringen. Die Teilnehmer lernen, wie sich eine Trockenmauer aufbaut, wann sie  gefestigt ist und gut hält und warum das Hintergemäuer so wichtig ist. Dazu wichtige Sicherheitsmaßnahmen für die Errichtung und Reparatur und vieles mehr. Interessenten können sich anmelden unter: kontakt@staffelsteiger-verein.de oder telefonisch unter: 0711/918962-0
Teilnehmer des Trockenmauer Seminars 2018 der Weingärtner Esslingen

Der Trockenmauer Workshop der Esslinger Winzer und des Staffelsteiger Vereins bei der Arbeit.

Biotop aus Tradition

Esslingen ist berühmt für seine Weinhänge. Ganz charakteristisch: Die Steinmauern, die die Terrassen an der Steillage umrahmen. Aber was passiert, wenn eine dieser sogenannten Trockenmauern plötzlich zusammenbricht? 15 Personen um einen Steinhaufen. Eine Trockenmauer war das einmal, das heißt eine Mauer, die komplett ohne Mörtel aufgerichtet wurde. An den Esslinger Steillagen rahmen sie schon seit dem zehnten Jahrhundert die Weinterrassen ein. Einmal gebaut trotzen diese Mauern wie von Geisterhand gehalten über 50 Jahre lang Wind und Wetter. Das eingebrochene Stück Mauer, um das sich die Menschentraube gebildet hat, stand schon viel länger. Jetzt soll es repariert werden. Dafür veranstalteten die Weingärtner Esslingen und der Staffelsteiger Verein vergangenes Jahr im März  ihren ersten Trockenmauer Workshop. Wegen des großen Erfolges soll dieser nun dieses Jahr wiederholt werden.

Ein Workshop voller mühsamer Handarbeit

Die Esslinger Trockenmauern sind aneinandergereiht etwa 10 Kilometer lang und bestehen aus fast fünf Millionen Sandsteinen. All das wurde und wird in mühsamer Handarbeit aufgebaut. Zunächst müssen die Workshop-Teilnehmer ein Hintergemäuer aus festgeklopften Steinen und Erdreich bauen. Davor richten sie dann die später sichtbare Außenwand leicht an den Hang gelehnt auf, sodass die Mauer auch ohne Mörtel hält. Außerdem müssen sich die großen Steinbrocken der Außenwand ineinander verkeilen. Die richtige Auswahl der Steine verlangt dabei Augenmaß und Erfahrung; als technische Hilfsmittel zur Vermessung kommen lediglich Schnüre und eine Wasserwaage zum Einsatz.
Eine vorbildlich instand gesetzte Trockenmauer

Eine vorbildlich instand gesetzte Trockenmauer

Die Vorteile von Trockenmauern

Aber warum macht man sich heute noch die große Mühe, Trockenmauern zu erhalten? Denn die Instandhaltung ist nicht nur harte, körperliche Arbeit, sondern auch teuer. „Einen Quadratmeter Trockenmauer zu bauen kostet etwa 600 Euro. Wenn das Stück Mauer allerdings unzugänglich liegt oder noch mehr Steine herangeschafft werden müssen, können sich die Kosten pro Quadratmeter sogar auf bis zu 1.000 Euro belaufen“, so Claus Hägele vom Staffelsteiger Verein Esslingen. Dafür gibt es viele Gründe. Die Esslinger Trockenmnauern sind ein Teil des Stadtbildes, der nicht wegzudenken ist. Egal ob für Touristen oder für Ortsansässige –die Weinsteillagen sind eine Art terrassiertes Naherholungsgebiet. Das weiß Jochen Clauß von den Weingärtnern Esslingen aus eigener Erfahrung. Er erklärt uns, woran das liegt: „Die Trockenmauern schaffen ein Mikroklima, das vielen Insekten und Pflanzen einen natürlichen Lebensraum bietet.“ Nur darum können Wanderer an den Steillagen so viele Wildbienenarten, Eidechsen und seltene Pflanzen finden.

Alles für einen guten Wein

Ein weiteres Argument für den Erhalt der Trockenmauern: Sie lassen den Wein besser gedeihen. Denn die Natursteine, aus denen sie bestehen, sind gute Wärmespeicher. Sie sorgen dafür, dass das Erdreich um die Reben nachts nicht auskühlt. An den Esslinger Weinhängen lassen sich so bis zu fünf Grad Temperaturunterschied im Vergleich zum Tal messen. Dadurch können hier nicht nur exotische Weinsorten, wie Merlot oder Cabernet angebaut werden, auch die heimischen Weinsorten wie Trollinger oder Lemberger dürfen sich darum einer besonders hohen Qualität erfreuen.
Die Trockenmauer Terrassen rahmen die Stadt Esslingen.

Die Trockenmauer Terrassen rahmen die Stadt Esslingen. Bild: Benjamin Stollenberg. foto: benjamin stollenberg

Jochen Clauß kann das bestätigen: „Das Mikroklima der Trockenmauern gibt unseren Weinen mehr Tiefgründigkeit. Sie sind kräftiger und gehaltvoller.“ Kein Wunder also, dass knapp ein Drittel der Esslinger Rebflächen von Trockenmauern gerahmt werden. Der vielschichtige Charakter der Esslinger Weine ist aber nicht der einzige Grund, sie zu probieren: „Wein aus der Region zu kaufen hilft auch beim Erhalt der Trockenmauern,“ so Clauß weiter.

Ein Schluck Lemberger auf die getane Arbeit!

Die Arbeit an der Mauer ist schweißtreibend. Da vergisst man die kühle Außentemperatur schnell. Zusammen wird geklopft, gehämmert, vermessen und geschleppt. Am Ende des Tages kann sich das Ergebnis aber sehen lassen: Die Mauer ist vollständig wiederhergestellt. So wird der Wein hier auch in Zukunft unter optimalen Bedingungen gedeihen. Und nach getaner Arbeit gab es natürlich ein Gläschen Esslinger Lemberger – zum Wohl! Immer aktuell informiert über interessante Events in der Weinheimat Württemberg im Wein Heimat Blog.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.