Welche Rebsorten wachsen in Württemberg?

Württemberg hat eine sehr große Rebsortenvielfalt. Heute schauen wir mal, was hier alles angebaut wird. Vorab muss man wissen: Württemberg ist Deutschlands Rotwein-Region Nummer 1. Rund 70 Prozent der hier stehenden Reben tragen Rotweintrauben. Deshalb werden uns im Folgenden auch überwiegend Rotweinsorten begegnen, aber bei weitem nicht nur. Denn aufgrund unserer angesprochenen, großen Rebsortenvielfalt gibt es auch jede Menge weiße Sorten. Dann mal los.

Rebsorten, für die Württemberg steht

Es gibt im Prinzip zwei Sorten, mit denen Württemberg unmittelbar verbunden wird. Weil sie in Deutschland so gut wie nur beziehungsweise überwiegend bei uns angebaut werden – und das auch in beträchtlicher Menge. Wir sprechen von Trollinger und Lemberger.

Trollinger

Der Trollinger wird in Deutschland fast ausschließlich in Württemberg angebaut. In großer Menge gibt es ihn auch in Südtirol, dort heißt er Vernatsch. Bei uns läuft er als Trollinger, vermutlich weil unsere Vorfahren die Herkunft dieses Weines im Namen „Tirolinger“ zum Ausdruck bringen wollten. Er braucht tiefgründige, nährstoffreiche Böden, allerbeste Hanglagen und viel Niederschlag in der Zeit zwischen Blüte und Reife. Also durchaus ein anspruchsvoller Genosse.

Im Glas präsentiert sich der Trollinger dann in ziegelroter Farbe. Die leichten, saftigen Weine mit gutem Körper benötigen keine mehrjährige Lagerung, sondern sind schon früh nach der Ernte trinkreif. Ihr dezenter Duft verrät rote Johannisbeeren, gepaart mit einem zarten Bittermandelton im Finale. Der Trollinger ist immer eine gute Ergänzung, ob zu deftig-rustikalen Speisen, Kurzgebratenem oder Geflügel. Wir Württemberger trinken unser Nationalgetränk natürlich auch zum Vesper und im Sommer macht der Trollinger auf Grillfesten eine gute Figur – als gut gekühlte, kräftige Alternative zum Rosé und als prima Basis für Cocktails.

Was er nicht so recht kann – und das werfen ihm Kritiker gerne vor – ist es, einen kräftigen, tiefdunklen Rotwein zu geben. Das eröffnet dem Trollinger aber eine ganz andere, interessante Nische: Als leichter Tischwein, den man auch mittags schon einmal trinken kann, ist er fast nicht zu schlagen.

Lemberger

Der zweite Wein dieser Kategorie, der Lemberger, ist quasi genau das Gegenteil. Tiefdunkel im Glas und mit kräftigen Aromen überzeugt er zu kräftigen Braten mit Sauce und hochwertigen Festessen.

Der Lemberger verbindet die Finesse des Burgunders mit der Kraft des Cabernet. Ihren Ursprung hat die Traube wohl in den Weingärten am unteren Donaulauf und ist außerhalb von Württemberg unter anderem auch bekannt als Blaufränkisch (in Österreich), als Frankonia (in Norditalien) oder als Kekfrankos (in Ungarn). In guten Lagen erreicht der Lemberger als württembergische Spezialität absolute Spitzenqualität. Nicht umsonst galt der Württemberger Lemberger als Haustrunk des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, und auch Fürst Bismarck und Napoleon sollen die Sorte geschätzt haben. Der Lemberger liebt warmes Klima und windgeschützte Standorte, da er früh austreibt und spät reift. Er gedeiht besonders gut auf tiefgründigen, fruchtbaren Böden und eignet sich perfekt für den Ausbau im Holzfass.

Die Württemberger kennen den Lemberger in verschiedenen Varianten. Zum einen die leichten, fruchtigen Tropfen, zum anderen konzentrierte Qualitäten in Form von extrakt- und tanninreichen Rotweinen. Die Weine sind dunkelrot mit bläulichen Reflexen, verfügen über eine gute Struktur, eine feinherbe Art und angenehme Säure. Im Duft reichen die Aromen von Brombeere über schwarze Johannisbeere bis hin zu grüner Paprika.

Leichte, fruchtige Lembergertypen passen bestens zum Vesper oder zur sommerlichen Grillparty. Die kräftigen Varianten mit Gerbstoff und Holzaromen passen ideal zu den Röstaromen von gegrilltem Fleisch. Der Lemberger wird aber auch zu schwäbischem Zwiebelrostbraten, kräftigen Schmorgerichten und zu würzigem Hartkäse gereicht.

In Württemberg gezüchtete Rebsorten

Neben Trollinger und Lemberger gibt es ein paar weitere typische Sorten von hier. Ganz vorne zu nennen sind gleich mehrere Züchtungen der Landesanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg.

Kerner

Los geht es in dieser Kategorie mit dem Kerner. Seine „Eltern“ sind Trollinger und Riesling. Züchtervater war im Jahr 1929 der damalige Leiter der Abteilung Rebenzüchtung August Herold. Benannt wurde die Sorte nach dem Weinsberger Dichter, Arzt und Weinfreund Justinus Kerner. Nachdem der Kerner in der Gunst der Weintrinker zwischenzeitlich leider etwas an Boden verloren hatte, wurde in Weinsberg ein Qualitätskonzept mit dem Namen „Justinus K.“ entwickelt. Unterschiedlichste Qualitätsparameter, über deren Einhaltung eine Kontrollstelle wacht, müssen stimmen, damit die Bezeichnung „Justinus K.“ verwendet werden darf.

Das Bukett des Kerners lässt viele Fruchtkomponenten erkennen. Birne, Orangenkonfitüre, grüner Apfel, Johannisbeere und Aprikose sind oft darunter. Als trockener oder halbtrockener Wein von gehobener Qualität passt der Kerner gut zu leichten und dezenten Vorspeisen wie Fisch- oder Gemüseterrinen, Fisch, Geflügel, Kalbfleisch und Spargel.

Der Acolon

Eine weitere Württemberger Eigenentwicklung ist der Acolon. Die ebenfalls in Weinsberg gezüchtete Rotweinsorte hat sich innerhalb weniger Jahre einen festen Platz im deutschen Rotweinsortiment erobert. Als Kreuzung aus Lemberger und Dornfelder verbindet der Acolon den betörenden Duft des Dornfelders mit der Struktur und Länge des Lembergers. Die junge Rebsorte ist in ihren Eigenschaften dem Lemberger sehr ähnlich. Die Weine besitzen eine hohe Farbintensität mit dezenter Gerbstoffnote und werden vor allem in guten bis mittleren Lagen angebaut. Die reif und harmonisch wirkenden Weine zeigen deutliche Fruchtaromen, bei gleichzeitig guter Struktur und Länge. Teilweise erfolgt der Ausbau im Barrique. Der Acolon passt, je nach Ausbaustil, zu geschmorten Fleischgerichten von Schwein und Rind mit konzentrierten Saucen, ist aber auch ein perfekter Begleiter zu würzigen Pastagerichten.

Dornfelder

Der Dornfelder ist die erfolgreichste Neuzüchtung unter den Rotweinsorten. August Herold kreuzte die Sorte in Lauffen aus Helfensteiner und Heroldrebe. Der Name geht zurück auf Immanuel Dornfeld, den Gründer der Weinbauschule in Weinsberg. Die großen, blauen Trauben bringen herrliche farbintensive Rotweine von kräftigem Körper, die sich hervorragend zum Barrique-Ausbau eignen. Der Dornfelder ist eine robuste, wenig anfällige Rebsorte. Die Rebe stellt höhere Ansprüche an Boden und Klima. So begnügt sie sich ungern mit sandigen oder steinigen Standorten oder frostgefährdeten Lagen.

Meist handelt es sich bei den Dornfeldern um gehaltvolle, geschmeidige und harmonische Weine. Unschwer ist der Dornfelder bereits an seiner schwarzroten bis violetten Farbe zu erkennen, er präsentiert sich mit würziger Frucht, angenehm lebhafter Säure und duftet nach Pflaume und schwarzer Kirsche. Der Dornfelder ist wie andere kräftige Rotweinsorten ideal für die kühlere Jahreszeit. Er passt gut zu kräftigem Braten, Geflügel, Wild oder Käse.

Cabernet Dorio

Die spätreifende Kreuzung aus Dornfelder und Cabernet Sauvignon erinnert in Aroma und Geschmack an den Cabernet. Die Weine sind lange lagerfähig und eignen sich ideal als Cuvée-Partner bzw. für den Barrique-Ausbau. Die in der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg neugezüchtete rote Rebsorte ist aufgrund ihrer hohen Ansprüche an Lage und Klima nur in sehr guten Rieslinglagen anzutreffen.

Die reifen Weine vom Cabernet Dorio präsentieren sich eigenständig und farbintensiv, mit kräftigem Geschmack und erinnern im Duft von schwarzen Johannisbeeren und Zedernholz an den Cabernet Sauvignon. In der Jugend verfügen die Weine über lebhafte Tannine und sind somit gut lagerfähig. Der Cabernet Dorio ist der ideale Begleiter zu Wild oder Rinderbraten mit kräftigen Saucen.

Cabernet Mitos

Eine weitere Weinsberger Neuzüchtung ist der Cabernet Mitos, entstanden aus der Kreuzung von Lemberger und Cabernet Sauvignon. Aufgrund seiner späten Reife bevorzugt er die besten Standorte. Die Rebsorte verfügt über eine gute Winterhärte und ist zum Ausbau im Barrique geeignet. Sie wird gerne als Cuvée-Partner von klassischen Württemberger Sorten wie zum Beispiel Lemberger oder Spätburgunder eingesetzt.

Die Weine des Cabernet Mitos sind außergewöhnlich körperreich und bestechen durch intensive violette Farbe, Fülle und Komplexität. Mit fortschreitender Reife bekommen sie deutliche Cabernet Sauvignon-Noten. Der Cabernet Mitos empfiehlt sich zu Schmorgerichten und reifen, kräftigen Weichkäsesorten.

Ebenfalls in Weinsberg gezüchtet wurde der Samtrot – über ihn sprechen wir gleich in der Kategorie Burgunder.

Weitere typische Reben in Württemberg

Muskattrollinger

Zu nennen ist in dieser Kategorie auch der Muskattrollinger. Muskattrollinger ist eine eigenständige, wenig bekannte Rebsorte. Sie lässt sich bis 1836 zurückverfolgen und ist vermutlich aus dem Trollinger mutiert. Ursprünglich wurde der sehr aromatische Muskattrollinger als Tafeltraube angebaut. Heute ist der Muskattrollinger aufgrund seiner deutlichen Muskatnote eine besondere Spezialität. Die Muskattrollinger halten, was ihr Name verspricht: Sie zeichnen sich aus durch ein intensives Muskatbukett, das nicht aufdringlich wirken sollte, sowie die rubinrote Farbe und gute Bekömmlichkeit des Trollingers. Das ausgefallene Aroma schenkt bemerkenswerte Geschmackserlebnisse. Der Muskattrollinger schmeckt zu jeder Jahreszeit als gekühlter Aperitif – trocken oder halbtrocken. Als edelsüße Variante passt er ideal zu weihnachtlichem Gebäck und Dessert.

Tauberschwarz

Und dann gibt es – in kleiner Menge – noch einen weiteren autochtonen Württemberger, der aber so gut wie nur im Taubertal angebaut wird – den Tauberschwarz. Er war bereits so gut wie ausgestorben. 1986 gab es im Tauber- und Vorbachtal gerade noch ungefähr einen Hektar bestockter Fläche. Aber dann kam der Turnaround – mit Hilfe der Landesanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg. Bereits um die Jahrtausendwende waren es wieder 10 Hektar. Tauberschwarz ist in der Regel ein leichter, fruchtiger Typ mit eher lichter Farbe. In reifen, guten Jahren kann aber auch ein recht würziger, dann auch farblich etwas kräftiger Wein erzeugt werden.

In Württemberg angebaute Burgundersorten

Zugegeben – westlich von uns gibt es ein Anbaugebiet, das wesentlich stärker für Burgunder steht, aber zwei Besonderheiten möchten wir Euch doch gerne ans Herz legen. Denn der Schwarzriesling und der Samtrot hätten problemlos auch unter dem Kapitel „Rebsorten, für die Württemberg steht“ gelistet sein können. Wir packen sie jetzt ins Burgunderkapitel.

Schwarzriesling

Der Schwarzriesling ist die Urform der Burgunderfamilie und ist trotz der Namensähnlichkeit kein Verwandter des Rieslings. In Württemberg wird die Rebe bereits seit Jahrhunderten kultiviert. Im Vergleich zu Trollinger, Lemberger oder Spätburgunder stellt diese Sorte geringere Ansprüche an Lage und Boden und wächst gerne auf kräftigen Lehmlössböden.

Schwarzriesling zeigt sich im Glas rubin- bis ziegelrot, duftet nach roten Beeren und verfügt über einen eher eleganten Körper und ein zartbitteres Finale. Ausgebaut werden trockene, aber auch fruchtbetonte Varianten, meist als Qualitätsweine, aber auch als Kabinettweine oder Spätlesen. Empfehlen können wir Euch den Schwarzriesling als harmonischen Wein zum Gespräch am Abend. Die etwas kräftigeren Varianten begleiten vorzüglich Kurzgebratenes vom Schwein, Lamm und Rind. Aber auch zu Wildgeflügel, Pasta oder milden Käsesorten passt er gut.

Samtrot

Ja, es gibt auch einen Burgunder, der von hier stammt. Der Samtrot gehört zur Familie der Burgunderreben und ist eine Mutation aus dem Schwarzriesling. Seinen Namen verdankt er seiner samtig weichen Art. Ihre Wurzeln hat die junge Rebsorte in Heilbronn und Weinsberg und ist charakterlich zwischen Schwarzriesling und Spätburgunder einzuordnen. Er wird so gut wie nur hier kultiviert – hier habt Ihr also noch einmal einen richtigen Württemberger Insidertipp. Seine Verwandtschaft zu den Burgunderweinen macht sich durch seinen Anspruch an Boden und Klima bemerkbar. In manchen Jahren bringt der Samtrot relativ geringe Erträge.

Die Weine des Samtrot sind im Charakter seinem Verwandten, dem Schwarzriesling, recht ähnlich und machen in Geschmack und Farbe seinem Namen alle Ehre. Mit einer roten, warmen Farbe, den Aromen von Himbeere und Kirsche und einem samtigen Geschmack, den er seiner harmonischen Säure verdankt. Der Samtrot eignet sich besonders für festliche Anlässe. Er ist der perfekte Begleiter für die schwäbische Sonntagsküche, Braten von Lamm und Rind, und junge, milde Hartkäse.

So – das waren erst einmal die typischen Württemberger Sorten. Weiter mit Rebsorten, die es AUCH in Württemberg gibt.

Spätburgunder

Was der Riesling für die Weißweine der Welt bedeutet, ist der Spätburgunder – oder Pinot Noir – für die Rotweine. Seine Eleganz und Finesse machen das anspruchsvollste Mitglied der Burgunderfamilie zum König der Rotweine. Seit 884, als Kaiser Karl der Dicke die Sorte an den Bodensee brachte, ist der Spätburgunder in Deutschland heimisch. Die edle und sehr alte Sorte verlangt viel Sorgfalt im Anbau und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Am besten gedeiht sie in ähnlich wertvollen Lagen wie der Riesling.

Den typischen Spätburgunder erkennt man an seiner purpurroten Farbe, seinem vollmundig-samtigen Geschmack und dem Duft nach roten, süßen Früchten, von Erdbeere über Kirsche bis hin zu schwarzer Johannisbeere.

Ein Spätburgunder ist der ideale Wein für die kühlere Jahreszeit und krönt jeden Hauptgang, jedes festliche Mahl mit Wildgeflügel, Rind oder würzigen Käsesorten.

Grauburgunder

Die hohe Qualität des Grauburgunders überzeugte die Weingärtner schon im 19. Jahrhundert. In Deutschland ist er auch als Ruländer bekannt, eine Bezeichnung, die heute kaum noch Verwendung findet. Deutschland und Italien sind die Hauptanbaugebiete. Der trocken ausgebaute „Grauburgunder“ hat eine lebendige Säurestruktur und ein Aroma von Zitrus und Birne. Der „Ruländer“ hingegen wird meist als üppiger, edelsüßer Wein angeboten. Ein junger, trockener Grauburgunder ist ein idealer Sommerwein. Selektionierte Qualitäten harmonieren z. B. gut mit Meeresfrüchten, Pasta, Lamm und Wildgeflügel.

Weißburgunder

Immer mehr deutsche Weingärtner entdecken den Wert dieser eleganten Rebsorte, deshalb hat sich seine Anbaufläche im letzen Jahrzehnt nicht nur in Württemberg verdoppelt. Man kann sagen, dass er sich regelrecht zum Modewein entwickelt hat.

Im Glas präsentiert sich der Weißburgunder duftig mit verspielten Aromen, die an Aprikose, Zitrone und Vanille erinnern. Seine cremige Art und angenehm zurückhaltende Säure machen ihn beliebt bei Freunden harmonischer Weine. Ein eleganter Weißburgunder in der trockenen Geschmacksrichtung ist ein idealer Menüwein. Er eignet sich hervorragend zu Spargel und leichten Fisch- und Pastagerichten, ist aber auch ein passender Begleiter zu Kalbfleisch oder Geflügel. Jugendlich frisch ist er ein knackiger Sommertyp für die Grillsaison.

Chardonnay

Die weltweit wichtigste weiße Rebsorte der Burgunderfamilie gedeiht unter verschiedensten Klimabedingungen und ist deshalb in fast allen wichtigen Weinbauländern zu Hause. Auch bei uns in Württemberg. Ende der 90er Jahre hielt sie hier Einzug. Der Chardonnay gedeiht am besten auf tiefgründigen, kalkhaltigen und warmen Böden und stellt an den Standort ähnlich hohe Ansprüche wie der Riesling.

Chardonnay wird überwiegend trocken ausgebaut. Neben dem Ausbau im Edelstahltank ist der Barrique-Ausbau verbreitet. Typisch ist sein Duft, der an exotische Früchte, Zitrus und bei gereiften Weinen an Melone und Stachelbeere erinnert. Große Qualitäten bringen wuchtige Weine mit viel Körper und Extrakt, die im Barrique den letzten Schliff erhalten. Da Chardonnay in verschiedenen Qualitätsstufen vom frischen Qualitätswein bis zum wuchtigen Barrique-Wein angeboten wird, kann er für die verschiedensten Anlässe eingesetzt werden. Leichte, junge Weine begleiten gut Fisch und Meeresfrüchte, kräftige Weine aus dem Holzfass passen zu den Röstaromen von Gebratenem ebenso wie zu gereiftem Käse.

Württemberg: Jede Menge spannende Weißweinsorten

Riesling

Jetzt kommt er – der König der Weißweine und gleichzeitig seit ein paar Jahren auch Württembergs meistangebaute Sorte.

Die wohl feinste und komplexeste Weißweinsorte der Welt bringt in kühlen und gemäßigten Klimazonen die besten Ergebnisse. Die Rebe stammt wahrscheinlich von einer Wildrebe am Oberrhein ab und wurde bereits vor 1500 urkundlich erwähnt. Aus Riesling lassen sich je nach Klima, Lage und Ausbau sehr unterschiedliche Weine erzeugen. Das Spektrum reicht vom knackigen, leichten Stil über üppig große bis hin zu feinsten edelsüßen Weinen. Riesling wächst in allen deutschen Anbaugebieten und repräsentiert wie keine andere Rebsorte deutsche Weinkultur.

Rieslingweine werden in allen Qualitätsstufen angeboten. Von unkomplizierten Alltagsweinen bis zu Prädikatsweinen. Der typische Riesling zeigt in der Jugend eine blassgelbe Farbe mit grünlichen Reflexen. Im Duft dominieren Pfirsich und Apfel, im Mund zeigt er ein lebhaftes Spiel von Süße und Säure. Junge, leichte Rieslingweine sind ideale Sommerweine und passen hervorragend zu Spargel, Fisch sowie Schalen- und Krustentieren. Halbtrockene Rieslinge begleiten optimal die süßsaure oder scharfe asiatische Küche. Konzentrierte Rieslinge gehen perfekt zu Kalb, Geflügel und Frischkäsen. Als edelsüße Variante bietet der Riesling aufgrund seiner Säurestruktur das schönste Spiel von Süße und Säure und empfiehlt sich deshalb auch zu süßen Desserts.

Rivaner

Den Rivaner kennen die meisten von Euch wahrscheinlich als Müller-Thurgau. Seinen Namen verdankt er Professor Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau, der die Rebsorte wahrscheinlich aus Riesling und Madeleine Royal züchtete. Modern ausgebaut als Rivaner mit jugendlicher Frische und lebhafter Säure ein früher Sommerwein und als Müller-Thurgau edelsüß ein klassischer Dessertbegleiter. Die Rebsorte stellt geringere Ansprüche an Boden und Klima. Sie belegt in Deutschland die größte Anbaufläche nach dem Riesling. In Württemberg hat sie heute Spezialitätencharakter und wird hauptsächlich als Rivaner ausgebaut.

Der Rivaner zeigt im Glas eine blass- bis hellgelbe Farbe. Sein Bukett erinnert an grünen Apfel, Zitrone und Muskat. Rivaner reicht man als feinfruchtigen Wein zu Vorspeisen und als edelsüßer Müller-Thurgaueignet er sich als Aperitif und zum Dessert.

Silvaner

Der Silvaner kann in Württemberg auf eine lange Geschichte zurückblicken. Mitte des letzten Jahrhunderts galt er in Deutschland als wichtigste Rebsorte – mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Sein Ursprung liegt vermutlich in Österreich. Der Name geht wahrscheinlich auf das lateinische Wort „silva“ für Wald zurück und nicht, wie manchmal vermutet, auf Transsilvanien. Der Silvaner stellt hohe Ansprüche an Boden und Klima und gibt sich nicht mit trockenen oder steinigen Böden zufrieden. In Württemberg findet man ihn vor allem im Norden an Kocher und Jagst und im lieblichen Taubertal. Hier verleihen die Muschelkalkböden den Weißweinen eine subtile Mineralität und vornehm elegante Art.

Die Weine des Silvaners sind in der Jugend hell in der Farbe und haben einen dezenten Duft, der an Birne, grüne Bohne und Heu erinnert. Die leichten Silvaner-Weine eignen sich hervorragend zu Vorspeisen, Spargel, Fisch, Krustentieren und Geflügel. Die herzhaften Varianten sind eine harmonische Ergänzung zu kräftiger regionaler Küche.

Und last not least noch ein Blick auf zwei Arimasorten, die (auch) wir in der Weinheimat Württemberg an- und ausbauen.

Sauvignon Blanc

Die weiße Rebsorte ist hauptsächlich im Südwesten Frankreichs verbreitet, wo sie im Jahre 1710 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In Württemberg wird Sauvignon Blanc seit Anfang dieses Jahrtausends wieder angebaut. Unter dem Synonym Muskat-Sylvaner war der Sauvignon schon vor 150 Jahren in Württemberg heimisch. Sauvignon Blanc bevorzugt magere und trockene Böden, zu warmes Klima schadet der Frische und Frucht des Weines.

Das unverkennbare Merkmal des Sauvignon Blanc ist sein kräftiges Aroma, das von schwarzer Johannisbeere über Stachelbeere bis hin zu vegetativen Aromen wie Brennnessel und Buchsbaum reicht. Damit passt der Sauvignon Blanc hervorragend zu kräftigen Spargelgerichten, Fisch, Meeresfrüchten oder auch zu Pasta mit Sahnesaucen.

Gewürztraminer

Die Traube des Gewürztraminers, der auch roter Traminer genannt wird, hat eine sehr dicke, leicht rötlich eingefärbte Schale. Er ist eine der ältesten Rebsorten. Einige Rebforscher vermuten Griechenland als Herkunft, andere den Ort Tramin in Südtirol als Namensgeber. Die Erträge des Gewürztraminers fallen oft niedrig aus. Schon die geringen Erträge weisen darauf hin, dass es sich beim Gewürztraminer um eine echte Rarität unter den Rebsorten handelt. Als Spezialität wird er vor allem in besten Lagen angebaut.

Aus dieser Rebsorte können hochfeine Ausleseweine, aber auch Alltagsweine erzeugt werden. Am schönsten ist der Traminer, wenn sein Duft, der an wilde Heckenrosen und Litschi erinnert, dezent und filigran wirkt.

Er passt gut zu Wildpasteten, Lebergerichten und würzig-aromatischen Ragouts. Gut gereift und edelsüß eignet er sich ideal als Aperitif und passt perfekt zu fruchtigen Desserts.

Das wäre erst einmal der Überblick, wobei es streng genommen noch einige weitere Sorten gibt. Insbesondere die pilzwiderstandsfähigen Sorten, kurz „PiWis“ genannt, spielen – auf mengenmäßig noch niedrigem Niveau – eine immer größere Rolle. Um dieses Thema kümmern wir uns in einem späteren Beitrag separat.

 

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