Augen für Poesie

Anne Schubert: Augen für Poesie

In jeder Ausgabe schaut das Weinheimat Magazin in einem Beitrag auch über den Weinbereich hinaus, auf Kunst und Kultur. In der aktuellen Ausgabe geht es um Anne Schubert.

Auf die grenzenlose Schönheit, die überall lauert, richtet Anne Schubert ihren poetischen Blick. Mit ihren Fotografien, Skulpturen und Filmclips erzählt sie uns Geschichten, die subtil und humorvoll sind. Ein Bericht von Ute Noll.

Anne Schubert zerschlägt mitunter Kristallglas oder Porzellan. Die Bruchstücke arrangiert sie für ihre Fotografien und Skulpturen so, dass dabei Neues entsteht, das zugleich bezaubert und irritiert. Die Fotografie mit den zerschlagenen Weingläsern erinnert die Fotografin an ihre verstorbenen Eltern. Die hatten sich die Gläser für besondere Gelegenheiten in einem Stuttgarter Traditionshaus für Haushaltswaren erstanden und daraus gerne ab und an einen Württemberger Trollinger mit Lemberger getrunken.

Nach dem Tod der Eltern hat Anne Schubert diese Gläser aus dem Nachlass für ihre Kunst eingesetzt. Einige dieser Bilder wie auch ihre Tellerbilder hingen für eine gewisse Zeit in einem Stuttgarter Restaurant. Blicke ich auf die Fotografien der Teller, stelle ich mir eine Tischrunde vor und frage mich, ob es die Gäste wohl schaudern würde, wenn der Teller samt Insekt im Lokal aufgetischt würde? Und ob es ihnen gelingen würde, die Insekten vom Teller zu vertreiben, bevor das Essen darauf serviert wird? Oder würde sie gar die Schönheit des Geschöpfes betören?

Die Insekten, die zunächst so lebendig wirken, können jedoch schon lange nicht mehr krabbeln. Die Tiere kommen aus der Insektenkiste der Künstlerin – seit Jahren klaubt sie tote Tierchen bei Streifzügen durch die heimischen Wälder von Stuttgart auf. Auch beschädigtes Getier nimmt sie in ihre Sammlung auf und sagt: «Wenn der Flügel fehlt, löst sich die ursprüngliche Form auf, das ist spannend!» Auf den Tellern dieser Serie landen jedoch nur unversehrte Exemplare.

Form und Farbe wählt Schubert passend zu den Blumenmustern auf den Tellern, die sie auf Flohmärkten ergattert hat. Auf diesen Tellern schiebt Anne Schubert die Tierkörper so lange hin und her, bis sowohl die Anordnung von Tier, fröhlichem Blumenmuster und Form des edlen Tellers als auch der schwarze Hintergrund zu einer gelungenen ästhetischen Einheit werden.

Das Schwarz steht für Dunkles, das sich unter der Oberfläche auftun kann, und steht in Kontrast zur festlichen weißen Tischdecke mit ihrer unschuldigen und reinen Anmutung. Kürzlich hinzugekommen ist eine Serie über pflanzliche Abfälle, drapiert in einer Schale, von oben vor Schwarz fotografiert. Zwischen den schön angeordneten Blüten und Gemüseresten erkennt man beim genauen Blick Zitrusfrüchte mit malerischen Schimmelstreifen.

Viele Bilder von Schubert zeichnen sich dadurch aus, dass sie so wunderbar mit Doppeldeutigkeiten spielen: Je nach Perspektive des Betrachters ist das, was mit den Bildern erzählt wird, begehrenswert oder schauderhaft. Oder es liegt dazwischen. Bei den Arbeiten von Anne Schubert schwingen unweigerlich auch Themen wie Vergänglichkeit, Tod oder Verlust mit. Diesen Lebensbereichen, denen wir uns letztlich alle stellen müssen, begegnet sie jedoch mit Humor und Augenzwinkern.

Seit einigen Jahren arbeitet Schubert an Skulpturen und Filmclips. Auch in diese beiden künstlerischen Ausdrucksformen bringt sie ihren Humor ein. Für die Skulpturen verwendet sie Porzellanfiguren, die sie erst zerschlägt und dann wieder zu Zwitterwesen zusammensetzt. Ihren experimentellen Filmclips fügt Anne Schubert oft passende Musik, Geräusche und Schrift hinzu. 2023 drehte sie während eines Künstlerstipendiums auf der Insel La Gomera einen Clip über nie endende Winde. Inspiration findet die Künstlerin in Sprache und Poesie wie auch in Literatur und Film.

Text und Portraitfoto: Ute Noll, Fotos: Anne Schubert

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