Man sieht Schafe über eine Wiese rennen.

Gut durchdacht: Albgemacht!

Die Weinheimat Württemberg reicht mit der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck und der Weingärtnergenossenschaft Metzingen Neuhausen  bis hinein in das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Eine einzigartige Region, mit fantastischen Landschaften, spannender Geschichte – und ganz besonderen Produkten. Deshalb hat sich 2017 der Verein Albgemacht e.V. und mit ihm die Regionalmarke ALBGEMACHT (wird im folgenden Artikel synonym für den Verein verwendet) gegründet.

Ziel: Die einzigartige Natur- und Kulturlandschaft des Biosphärengebiets Schwäbische Alb in seiner biologischen Vielfalt zu erhalten und zu fördern, und gleichzeitig hochwertige Produkte anzubieten.

Man sieht Trauben an Reben der Weingärtner Metzingen-Neuhausen, einem der Mitglieder bei ALBGEMACHT.

ALBGEMACHT: Auch der Weinbau spielt eine wichtige Rolle. Foto: Jörg Waldner

Wo ALBGEMACHT ansetzt

Regionale Herkunft, biologische Vielfalt, Tierwohl, natürliche Verarbeitung, Fairness, Transparenz und der Verzicht auf Gentechnik – das sind die Leitlinien, zu denen sich die Vereinsmitglieder von ALBGEMACHT verpflichtet haben. Diese Kriterien werden über eine externe Kontrollstelle jährlich überprüft. Die Basis dieser Qualitätssicherung ist das bestehende Qualitätszeichen des Landes Baden-Württemberg für konventionelle Betriebe und das Bio-BW-Zeichen für Bio-Betriebe. Diese Siegel wurden um gebietsspezifische Kriterien speziell für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb erweitert. Da die teilweise recht anspruchsvollen Kriterien für viele Betriebe nicht sofort umsetzbar sind, soll eine Übergangszeit von 5 Jahren den Betrieben die Möglichkeit geben, die Veränderungen anzugehen und umzusetzen.

Die Landwirtschaft soll, das machen die Stichworte schon deutlich, im Einklang mit den Ressourcen stehen, die sie erst möglich machen. So will man den Artenreichtum in der Region nicht nur erhalten, sondern sogar noch fördern. Unter anderem entstehen so artenreiche Mähwiesen für die Vielfalt von Wiesenblumen und -Kräutern, Blühbrachen für Insekten, Feldvögel und Feldhasen sowie – beispielsweise bei unseren beiden Weingärtnergenossenschaften in der Region – Steinschüttungen. Mehr dazu erzählen wir Euch gleich.

Eine typische Steinschüttung, am Bildrand erkennt man typische Blumen einer Blühbrache.

Eine typische Steinschüttung, am Bildrand erkennt man typische Blumen einer Blühbrache. Foto: Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb

ALBGEMACHT versteht sich zudem als Regionalmarke, unter der Lebensmittel in einem modernen und aussagekräftigen Markenauftritt vereint und für die Kunden sichtbar gemacht werden sollen. Außerdem gibt es ein Imagefilm, Postkarten mit vier unterschiedlichen Motiven und eine Website.

Die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb unterstützt die weitere Markenentwicklung und arbeitet in partizipativ besetzten Gruppen auch an der Weiterentwicklung der Kriterien.

Mitglieder aus verschiedensten Bereichen bei ALBGEMACHT

Aktuell besteht der Verein aus neun aktiven Mitgliedern, und zwar der Hofmolkerei Schmid, Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen, Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, Metzgerei Oskar Zeeb, Schäferei Kräuterlamm, Lichtensteiner Mühle, REWE Südwest, REWE Widmann Ehingen und REWE Weber Münsingen.

ALBGEMACHT-Mitglied Julian Schmid mit seinen Kühen von der Hofmolkerei Schmid.

ALBGEMACHT-Mitglied Julian Schmid mit seinen Kühen von der Hofmolkerei Schmid. Foto: Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Die Bandbreite der Mitglieder von ALBGEMACHT kann sich also sehen lassen. Damit kommt der Verein auch dem Wunsch des Biosphärengebiet Schwäbische Alb nach, eine möglichst breite Palette mit Produkten aus dem Biosphärengebiet anzubieten. Darüber hinaus gibt es drei Fördermitglieder sowie eine Reihe weiterer Interessenten. Der Verein ist ausdrücklich offen für weitere Landwirte, Produzenten, Verarbeiter und Vermarkter. So kommen Ende 2019 die Produkte Käse, Dinkelbackwaren und Kartoffeln hinzu.

Was ALBGEMACHT unternimmt

Um dem Bekenntnis, die Artenvielfalt im Biosphärengebiet fördern zu wollen, auch Taten folgen zu lassen, haben die Akteure konkrete Maßnahmen vereinbart. So verpflichten sich alle Landwirte mit Ackerbauprodukten bei ALBGEMACHT, auf 5% ihrer Flächen Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt umzusetzen. Dazu zählen Blühbrachen oder auch der extensive Getreidebau. Darüber hinaus verzichten die Landwirte auf ihren gesamten Flächen auf Totalherbizide und Wachstumsregulatoren. Feldhase, Feldlerche, Ackerstiefmütterchen, Ackerkornrade und Kornblume profitieren hiervon direkt.

Landwirte mit Produktion im Grünland erhalten freiwillig 15% ihrer Wiesen als artenreiche Mähwiesen. Hier wachsen Kräuter und Wildblumen, weil die Landwirte die Wiesen weniger oft düngen  und mähen. Das freut Rotmilan, Feldhase, Wiesenbocksbart, Flockenblume und Wiesensalbei.

Hoch lebe die Streuobstwiese

Streuobstwiesen wiederum gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie sind nicht nur schön anzusehen. So bietet ein Streuobstbaum auch auf mehreren Stockwerken Lebensraum für viele seltene Vögel, Kleinsäuger und Insekten. An seiner Wurzel wiederum leben Spitz- und Feldmaus und auch der Igel findet dort ein geeignetes Versteck. ALBGEMACHT fördert deshalb den Bestand von Streuobstwiesen auf der Schwäbischen Alb, und zwar durch den Erhalt der traditionellen Bewirtschaftungsform.

Eine für die Schwäbische Alb ganz typische Landschaftsform ist die Wacholderheide. Sie macht die Alb erst so richtig perfekt für die Haltung von Schafen. Hier fördert ALBGEMACHT den Erhalt, da auch hier die Bewirtschafter mindestens 15% des Grünlandes als artenreiches Grünland mit Vertragsnaturschutzmaßnahmen bewirtschaften. Oftmals liegt der Anteil sogar noch höher, weil sich viele Schäfereien ohnehin auf die naturschutzorientierte Landschaftspflege spezialisiert haben.

Man sieht Schafe über eine Wiese rennen

Sie mögen die typischen Wacholderwiesen der Schwäbischen Alb: Die Schafe. Foto: Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb

 

Und last not least zum Weinbau: Maßnahmen wie der Bau von Trockenmauern, die Errichtung von Steinschüttungen und Steinriegeln sowie die Ansaat von artenreichen Blühmischungen in den Rebzeilen tragen nicht nur zum Schutz der Zauneidechse bei, denn sie lebt in den Steinmauern. Dort findet sie ein perfektes Zuhause und Refugium. Auch Wildpflanzen, zum Beispiel die Traubenhyazinthe, profitieren und für die Wiederansiedlung des Wiedehopfs bringen die Weingärtner Nistplätze aus. Für beide im Biosphärengebiet gelegene Weinanbaugebiete wurden daher konkrete Maßnahmen zur naturschutzfachlichen Aufwertung von externen Gutachtern erarbeitet. Diese werden derzeit bereits und auch in den kommenden Jahren sukzessive umgesetzt werden.

Weingärtnergenossenschaften Metzingen-Neuhausen und Hohenneuffen-Teck mit dabei

Insgesamt bewirtschaften die Weingärtner der Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, übrigens überwiegend im Nebenerwerb, eine Rebfläche von etwa 28 ha. Bekannt ist die Genossenschaft unter anderem für ihren „Täleswein“.

Neuffen selbst unterscheidet sich mit seinem charakteristischen Klima und seinen Juraböden deutlich von den anderen Württemberger Weinlagen. Die Burg Hohenneuffen ist ein bekanntes Ausflugsziel, an ihrem Fuße liegt ein Großteil des Anbaugebietes. Aber auch in Beuren, Balzholz, Linsenhofen, Frickenhausen, Kappishäusern, Kohlberg und Weilheim findet man Weinberge der Genossenschaft. Wichtigste und typische Rebe in und um Neuffen ist der Silvaner.

Neben den Ortskeltern ist heute insbesondere die Neuffener Kelter das Zentrum des Geschehens. Hier erfolgt während der Weinlese die Traubenannahme. Die weißen Rebsorten sowie die Trauben für den Schillerwein, Blanc de Noir, Weißherbst und Rosé verarbeitet die Genossenschaft gleich hier vor Ort. Den Traubenmost sowie bei den roten Rebsorten die Maische liefert die Genossenschaft zur Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft nach Möglingen. Dort erfolgt dann der Ausbau der Weine. Des Weiteren verfügt die Genossenschaft über einen historischen Weinkeller, wo Ihr die Weine verkosten könnt.

Die Neuffener Kelter

Die Neuffener Kelter. Foto: Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck

Erst zum Shoppen, dann nen Schoppen

Ein paar Kilometer weiter befindet sich die Weingärtnergenossenschaft Metzingen-Neuhausen. Metzingen, auch bekannt als „Stadt der sieben Keltern“ und am Beginn der Württembergischen Weinstraße liegend, verbindet Weinbautradition mit der Internationalität ihrer Besucher – Stichwort Outletcity. Die angesprochene Weinbautradition wird getragen von einer Verbundenheit zu Heimat und Natur sowie der Leidenschaft für die Traube. So werden 30 Hektar Weinberge mit Süd- bis Südwestausrichtung bewirtschaftet und können auf dem 2015 neu gestalteten Weinerlebnisweg in Metzingen und im Stadtteil Neuhausen, der mitten durch die Weinberge führt, besichtigt werden.

Stolz ist man bei den Weingärtnern in Metzingen auch auf die neue Vinothek der Genossenschaft, denn sie befindet sich in einer von sieben historischen Keltern aus dem Jahre 1657. Diese wurde durch eine modernen Innenarchitektur gekonnt ins Hier und Heute versetzt.

Immer aktuell informiert über die Württemberger Weingärtnergenossenschaften im Wein Heimat Blog.

 


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